BIENVENIDA A FUERTEVENTURA [Parallel 8]

23. Februar 2019 – vorletzter Tourtag. Wir befinden uns irgendwo zwischen Tindaya und Antigua. Beides Dörfer inmitten der spanischen Insel Fuerteventura. Links und rechts von uns ist es trocken. Staubtrocken! Alle paar Kilometer ein einsames Haus zwischen Steinen und Sand gefolgt von kleinen Dörfern – teils bewohnt, teils verlassen. Während im äußeren Norden und Süden der Tourismus noch Gelder in die Kassen zu treiben scheint, stehen nur wenige Kilometer entfernt leerstehende Hotels, Wohn- und Freizeitanlagen. Vor einigen Jahren war der Tourismus auf der Insel ein Wirtschaftszweig auf den man, wortwörtlich, aufbauen wollte. Doch während die neuen Freizeitanlagen aus dem Boden schossen, sanken die Zahlen der Touristen und die Krise begann. Die leerstehenden Bauten, gepaart mit den bizarren und kargen Landschaften, stachen uns schon während unserer Recherche ins Auge. Dazu kam, dass man von Fuerteventura skateboardtechnisch bis dahin nicht viel gesehen hatte…. 

Fotos & Text: Robert Christ

ENGLISH VERSION BELOW

 

18. Februar 2019, 3 Stunden Schlaf, 5 Stunden Flug, Landung in Fuerteventura um 10:40 Uhr. Es ist der erste Tag der Tour. Die Augenlieder hängen noch erschöpft nach unten. Der Mietwagen ist vollbepackt bis oben und steht abfahrbereit. Mit an Bord: Andre Gerlich, Tobi Lehne, Martin Schiffl, Dominic „Mosh“ Peters und Felix Hempel. Die Fahrt entlang der imposanten Bergketten, die in verschiedenen Braun- und Rottönen in der Sonne schimmern, lässt die Müdigkeit langsam vergessen. Nach Ankunft in unserem AirBnB und Einweihung der wohnungseigenen Tischtennisplatte gibt es ein kurzes „Meet and Greet“ mit Spotguide Joseph. Ihn hat es vor einiger Zeit samt Freundin und Hund aus seiner Heimat Tschechien auf die spanische Insel verschlagen, wo sie nun in und aus ihrem Van leben und die Sandstrände der Insel ihr Schlafzimmer nennen dürfen. Als erstes führt Joseph uns zu einer leerstehenden Parkanlage, die eine Mischung aus einem verlassenen Partygelände und Tierpark zu seien scheint. Aus Geldmangel wurde diese aber nie in Betrieb genommen, erzählt Joseph.

Kurz nach dem Betreten des Areals erwartet uns ein altes Diner mit Ledges in verschiedenen Größen. Man spürt wie die ansteigende Euphorie den Schlafmangel verdrängt. Völlig zufrieden mit dem, was uns der erste Teil dieser Anlage geboten hat, werden wir von unserem Guide weitergeführt. Alles wirkt wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Das absurde daran ist nur, dass keiner außer uns zum Spielen da ist. Links von uns ein gestrandetes Piratenschiff, rechts ein weißer Hai in Lebensgröße. Mitten in diesem surrealen Szenario taucht plötzlich eine perfekt geshapedte, steile Quarter auf. Im letzten Licht des Tages ergibt sich noch eine gute Session und wir lassen den Tag entsprechend ausklingen.

Zwei Tage später finden wir uns inmitten eines verlassenen Wasserparks im Osten der Insel wider. Seine Beschaffenheit gleicht eher einer Mondlandschaft und auch die typischen Wasserrutschen an die man denkt, wenn man „verlassener Wasserpark“ hört, fehlen. Doch der Abenteuerfaktor, die Größe und Erscheinung des Parks und die verschiedenen Spotmöglichkeiten trösten darüber hinweg.  Ok… der ein oder andere Besenschwung mit dem Skroom und ein Hang-up am Steinchen bleiben nicht aus. Vor allem Tobi und André arrangieren sich mit den Gegebenheiten. Selbst ein fieser Umknicker beim Fs 5-0, der Andrés Fuß in Regenbogen Farben gefärbt hat, hält ihn nicht davon ab, drei Tage später wiederzukommen und den Trick noch zu machen. Als ich seinen Knöchel nach dem umknicken sehe, denke ich zunächst noch an das Schlimmste. Doch das Wunderkraut, das Joseph täglich in rauen Mengen liefert, in Kombination mit einer Extraportion Tourmotivation der ganzen Crew, lassen ihn den Schmerz vergessen.


In den beiden größten Städten, Puerto del Rosario und Corallejo, sowie in den Dörfern der Insel warten neben verlassenen Gebäuden, natürlich auch einige kleine Plazas und Spots auf uns. Die Tatsache, dass wir uns in der Nebensaison befinden lässt, vor allem Abseits der Tourihochburgen, das Gefühl aufkommen, man sei der einzige Van mit „Urlaubern“, der sich nach Fuerteventura verirrt hat. Selbst bei unserem Besuch in der Schlucht von Las Peñitas, pünktlich zur romantischen Primetime, steht unser Wagen einsam an unserem Aussichtspunkt. Die einzigen Lebewesen, die mit uns die Aussicht genießen machen „Määäähhh“ und laufen in beachtlichem Tempo kopfüber die steilen Schluchten herunter.

Je weiter unsere Tour voranschreitet, umso mehr stelle ich mir die Frage, warum Fuerteventura, zumindest in Bezug auf Skateboarding, bisher etwas im Verborgenen gelegen hat. Wie Joseph uns erklärt, sind wohl gerade in den Touristädten Skateboarder nicht gerade beliebt. In Corralejo oder Puerto del Rosario greift die Polizei gerne auch härter durch und so wurden schon einige der Locals oder Skateboardtouristen ohne Verwarnung mit auf die Wache genommen. Inklusive Ticket, Nacht im Knast und konfisziertem Board. Scheint so, als hätten wir bei unserem Besuch Glück. Und das nicht nur in Bezug auf die Polizei oder die Spots, die wir finden. Neben dem bereits erwähnten Umknicker von André, kann sich auch Martin mit seinen beiden Handgelenken, die kurz vor der Tour abwechselnd gebrochen waren, gut arrangieren.

Tobis einzige Sorge hingegen scheint darin zu liegen seiner anderen Leidenschaft Herr zu werden: dem Essen. Dies spiegelt sich nicht nur in enormen Portionen, sondern auch in einem weltrekordverdächtigen Tempo wider. Zum Glück bietet Fuerteventura auch hier allerlei Snacks für Zwischendurch, Gegrilltes vom wohnungseigenen Rost oder andere lokale Spezialitäten. Mosh, der kurz vor der Tour noch mit dem ein oder anderen privaten Problem kämpfte und vor allem am ersten Tag noch daran zu knabbern hat, blüht am zweiten Tag wieder vollständig auf. Und das obwohl die Spots, die wir finden, eher untypisch für seinen Spitznamen sind. Einmal mehr wird mir klar, dass eine Tour mit Freunden das Beste ist, um dich aus einem Tief zu befreien.

25. Februar 2019, Abflug in Fuerteventura um 10:20 Uhr. Als die Tour vorbei ist und wir wieder im Low Cost Flieger sitzen, fühle ich mich wie am Anfang. Müde und erschöpft, aber glücklich. Wer in Fuerteventura blühende, grüne Landschaften oder perfekte Curbspots sucht, ist dort an der falschen Adresse. Für uns war es genau das richtige Ziel. Danke an euch Jungs für die gute Zeit und eure Motivation, danke an Felix für die Unterstützung im Team „Media and Driver“, danke an Joseph für all die Mühe und danke an Polster für den Support. ¡hasta luego!

 

English

February 23rd 2019 – penultimate tour day. We are somewhere between Tindaya and Antigua. Both villages, in the middle of the Spanish island Fuerteventura. Everywhere we look there is nothing but dry ground. Dry as a bone! Every few kilometres a deserted house in between sand and stones followed by small villages – partially inhabited, partially abandoned. Whereas tourism seems to keep bringing money into the North and South of the island, only a few minutes away, there is nothing but abandoned hotels, living spaces and leisure facilities. A few years ago, tourism had been the economical branch they wanted to build on – literally.  But as new holiday resorts kept popping up, the number of tourists decreased and the crisis had begun.Lost spaces, paired with the bizarre and barren landscape, had already caught our attention while we were researching before our trip. Additionally to that, Fuerteventura was never really named in connection to skateboarding…

February 18th 2019 – 3 hours of sleep, 5 hours on the plane, landing in Fuerteventura at 10:40 a.m. It is the first day of our tour. Eyes still sleepy. Our rental car fully packed and ready to go. With on board: Andre Gerlich, Tobi Lehne, Martin Schiffl, Dominic “Mosh“ Peters and Felix Hempel. Driving past impressive mountains in all shades of red and brown shimmering in the sunlight, let’s us slowly forget about how tired we are. After checking out our Airbnb and testing our very own ping-pong table, we have a short “meet & greet“ with our spotguide Joseph. A while ago, he moved to the Spanish island with his girlfriend and his dog from Czech Republic, to live in a van and call beaches their living room. First, Joseph brings us to an abandoned park area, which looks like a mixture of a partyplace and a zoo. Due to lack of money, it was never taken into operation, Joseph explains. Shortly after entering the area, an old diner with ledges in different sizes awaits us and you can immediately feel how euphory leaves all sleep deprivation behind. Totally happy with our first stop at the park, our guide continues to the next spot. It feels as if we were on a huge adventure playground. The absurdity about it? There is no one else but us who came to play. To the left, there is a stranded pirate ship, to the right a life-sized white shark. Then, in the middle of this very surreal scenario, there suddenly is a perfectly shaped, steep quarter. We use the last light of day for a great session and end the day with it.Two days later, we find ourselves at an old waterpark, East of the island. It looks like the moonscape and the typical water slides that one would expect are missing, too. However, the adventure, the size, the appearance and the different spot possibilities make it all up. Ok… one or the other sweep with the Skroom and a hang-up can’t be avoided. Especially Tobi and André are getting used to the conditions and although twisting his ankle so badly that it turnedus into rainbow colors while doing a Fs 5-0, nothing will stop André from coming back for another try only three days later. Looking at his ankle I’m expecting the worst. But some magical herbs, which Joseph delivers daily  with a portion of tour motivation, let him forget about his pain soon. In the two biggest cities Puerto del Rosario and Corallejo and in the villages of the island, there are of course also small plazas and other spots waiting for us. The fact that we are here during low season mostly confronts us with a feeling of being the only van full of tourists that has found its way to Fuerteventura. Even while visiting the canyon Las Penitas at romantic prime time, our van is standing lonely next to our viewing point. The only living creatures that are enjoying the view with us are making “meh” sounds while running down the steep canyon.  As our tour continues, I am more and more thinking about why Fuerteventura, at least in relation to skateboarding, has always been rather unnoticed. Joseph explains that especially in the more touristy areas skateboarders have never been very welcome. In Corralejo or Puerto del Rosario police likes to crack down and take locals and skateboard tourists to their police station without warning — including tickets, confiscated skateboards or even a night behind bars. However, it seems as if luck is on our side. Not only in relation to police or spots but also because next to André’s twisted ankle, Martin seems to be able to handle his weakened wrists, which have taken turns in being broken before the tour. Tobi’s only worry is to also satisfy his other passion: food. This reflects in huge meals and a non-comparable speed of eating. How great that Fuerteventura offers enough snacks, such as barbeque and local specialities, to feed the hungry. Mosh, who had some private troubles before the tour and had still been coping with it on the first day, is back at his best on our second day. And this although the spots we find are not most typical with regard to his nickname. Once more, it proves that a tour with friends is the best you can do to leave all your troubles behind. 25th of February 2019 — Departing Fuerteventura at 10:20 a.m. Now that the tour is over and we are back on our low cost flight to Germany, I feel just like on our first tour day: tired and exhausted but very happy. Whoever seeks to find flourishing and green landscapes or perfect curb spots will not be lucky on Fuerteventura. However, for us it was exactly what we were looking for. Thank you boys for the great tour and your motivation, thanks to Felix for your support in team “media and driver”, thanks to Joseph for all your effort and thanks to Polster for the support, too. !hasta luego!